Folge 1: Wie eine Augenerkrankung das Leben verändert und dadurch ein Podcast entsteht
Shownotes
Ich freue mich riesig, endlich mein Herzensprojekt Hörblick zu starten! In dieser ersten Folge spreche ich offen über meinen Weg als sehbehinderte Frau, die Diagnose Makuladegeneration und die ganz alltäglichen Herausforderungen – vom Autofahren bis zur Technik für diesen Podcast. Gemeinsam mit meinem Sohn Klemens blicke ich zurück auf prägende Momente und die kleinen Hilfen, die im Alltag Großes bewirken können. Warum ein einfacher Satz wie "Hallo Mama!" für mich so wichtig ist, erfährst du genauso wie die Gründe, warum ich diesen Podcast mache. Lass dich inspirieren, höre hinter die Kulissen und entdecke, wie wir gemeinsam Barrieren abbauen können. Sei dabei, wenn ich spannende Persönlichkeiten und neue Sichtweisen ins Rampenlicht rücke!
Makula-Degeneration
https://de.wikipedia.org/wiki/Makuladegeneration
Email: podcast@hoerblick.at Musik: Dominikus Plaschg Audiobearbeitung: Laura Ranftl Inhaltliche Verantwortung: Bernadette Tischler Mit freundlicher Unterstützung des LFI Steiermark
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00:00:00: Bernadette: Hallo Mama, ich bin's, der Clemens. Warum dieser Satz im Alltag von sehbehinderten und blinden Menschen eine Rolle spielen kann und was das alles mit deinem Podcast zu tun hat, das erfährst du in der ersten Folge.
00:01:00: Bernadette: Hallo und herzlich willkommen zur allerersten Folge von Hörblick. Es ist eine große Freude für mich und auch ein spannender Moment, endlich mit meinem Herzensprojekt starten zu können. Als sehbehinderte Frau habe ich mir zum Ziel gesetzt, einen Podcast zu machen, um sehende und nicht sehende Menschen näherzubringen. Aber ganz ehrlich, a bissl einfacher habe ich mir das vorgestellt, denn die ersten Hürden und Herausforderungen sind gleich daher gepurzelt.
Zum Beispiel Wie mache ich die Technik? Wie beschäftige ich mich mit dem Schnittprogramm? Welche Plattformen brauche ich überhaupt? Was braucht es überhaupt für einen Podcast? Dann brauche ich ein Logo. Wie mache ich die Musik? Viele, viele Fragen. Aber ich habe Menschen um mich, die mir geholfen: haben und einer davon, das ist mein erwachsener Sohn Klemens. Und umso mehr freue ich mich, dass er heute hier diesen allerersten Podcast auch mit mir macht und dieses Gespräch mit mir führt. Hallo Klemens, schön, dass du da bist. Klemens: Hallo, ich freue mich, hier zu sein. Bernadette: Klemens, gehen wir vielleicht zurück zum Ursprung der ganzen Geschichte. Nämlich vor zwanzig Jahren habe ich die Diagnose genetisch bedingte Makuladegeneration bekommen. Eine Augenkrankheit, die in meinem Fall schleichend vor sich geht und dazu führt, dass man im Fokus eigentlich fast nicht mehr oder nicht mehr sehen kann. Also man kann keine Gesichter erkennen und man kann auch nicht mehr lesen. Du hast das als Kind damals mitbekommen, vor allem auch diese Zeit der Diagnose. Kannst du dich noch erinnern, wie das für dich war?
Klemens Ja, ich kann mich erinnern, aber das war ein schleichender Prozess. Als Kind nimmt man das meiste eigentlich nicht so wahr, weil, okay, die Mama ist einen Tag in: der Augenklinik. Damals waren die Aufenthalte oder die Regeneration danach noch etwas länger, da die Operationen oder Techniken noch nicht so fortgeschritten waren. Und das waren eigentlich die Punkte, die man als Kind wahrgenommen hat. Im Alltag hat man das eigentlich nicht gemerkt, denn du konntest das meiste eigentlich ganz normal machen. Bernadette: Ja, das ist eigentlich eine spannende Rückmeldung, dass das für ein Kind so selbstverständlich ist, dass man da so hineinwächst scheinbar. Aber hat es vielleicht doch irgendwelche Ereignisse oder Punkte gegeben, wo du dann gesagt hast: „Okay, jetzt erkenn ich was, die Mama, die ist, bei den Augen krank oder die sieht einfach wirklich nicht gut und jetzt erkenn ich, die braucht Hilfe." Oder hat es so etwas gegeben?
Klemens Das war für mich als Kind eigentlich nicht so das Thema, denn du konntest eigentlich die meisten Dinge ganz normal machen und da waren halt Kleinigkeiten, die du nicht mehr lesen konntest oder Sonstiges, aber das war als Kind nicht: besonders auffällig, weil man wächst mit dem Ganzen hinein. Es sind einfach Dinge, die für einen normal sind. Aber hat es für dich einen Punkt gegeben, wo du gesagt hast: „ Jetzt hat sich etwas verändert?“ Bernadette: Also für mich war das einfach so, dass es immer Auf und Abs gab und manchmal arrangiert man sich mit dieser Situation und manchmal, hadert man auch damit. Aber tatsächlich gab es immer wieder einschneidende Ereignisse und eines fällt mir tatsächlich ein. Da bin ich an einem sonnigen Nachmittag zu einer Freundin mit dem Auto gefahren und als ich dann heimfahren wollte, hat es geregnet und es war dann ganz diesig und, so düster. Und wie ich dann fahren wollte, habe ich plötzlich die Abbiegung nicht mehr gesehen. Und ich habe dann natürlich meinen Mann angerufen, also deinen Papa, der dann auch gekommen ist und mich abgeholt hat.
Und ich bin dann zu Hause angekommen und hab dann, und ich spür das heute noch, diese Situation, meinen Führerschein angeschaut und hab in dem Moment beschlossen, dass ich nicht: mehr Auto fahren werde. Wir leben am Land, ich bin sechs Kilometer vom nächsten Bahnhof entfernt. Als selbstständige Frau ist man dann plötzlich auf Hilfe angewiesen. Irgendjemand muss mich fahren. Und das ist tatsächlich ein sehr einschneidendes Erlebnis. Aber ich denke auch ein Thema, das man noch besprechen sollte und da wird es sicher eine Folge geben, wo wir noch genauer auf das eingehen werden und auch die Eindrücke von Hörerinnen und Hörern darüber hören werden. Klemens: Aber jetzt habe ich eine Frage an dich: Warum machst du überhaupt einen Podcast? Was sind deine Beweggründe? Bernadette: Ja genau, jetzt leitest du das über. Grundsätzlich sind wir eine lösungsorientierte Familie und ich habe mir dann gedacht: „Was mach ich jetzt? Oder was kann ich gut oder wo kann ich mich trotzdem noch einbringen, auch wenn ich diese Einschränkungen habe?"
Und da ist mir eben diese Idee des Podcast eingefallen. Und vor allem auch weil ich in den letzten Jahren ganz viele Informationen gesammelt habe.: Informationen, die mir weitergeholfen haben. Ich habe Menschen kennengelernt, die hilfreich waren und ich habe auch, Organisationen kennengelernt, die für mich wichtig sind. Und all dieses Wissen, das möcht ich jetzt teilen. Und ein Podcast ist daher ein gutes Medium dazu. Ich hab's ja euch dann gesagt in der Familie. Wie habt's denn ihr reagiert? Kannst du dich noch erinnern. Klemens: Ja, ich kann mich sehr gut, daran erinnern. Es war bei einer Familienfeier und meine Schwestern und alle haben gesagt: „Super tolles Projekt.“ Ich habe mir gedacht: „Möglich, aber das wird nicht einfach.“ Bernadette: Ja natürlich, da kommt der Techniker in dir heraus. Du hast natürlich sofort die Technik gesehen, die man dazu braucht. Und, du hast recht, das ist nicht einfach. So habe ich zum Beispiel bereits mit dem Aufnahmegerät, Schwierigkeiten, das zu bedienen. Das ist allerdings möglich, indem ich von dir eingeschult wurde und indem du eben geschaut hast, dass ich entsprechende Technik habe. Worauf hast du da geachtet?
Klemens Die: Hauptherausforderung ist, dass der Großteil der Geräte, die auf dem Markt sind, allein mit Touchbedienung oder Großteils mit Touchbedienung sind. Und als sehende Person ist das kein Problem, aber als seheingeschränkte Person kann das eine sehr große Herausforderung sein. Und hier Technik zu finden, die für seheingeschränkte Personen nutzbar ist und das geht nicht nur auf das Aufnahmegerät, das geht auf alle anderen weiteren Geräte. Das betrifft eine Waschmaschine, das betrifft den Geschirrspüler. Das sind ganz viele kleine Dinge im, im Leben einer seheingeschränkten Person, die so zur Herausforderung werden können. Bernadette: Siehst du, Klemens, und genau deshalb mache ich einen Podcast. Ich möchte über diese Themen reden: Wo gibt es Hürden für sehbehinderte und blinde Menschen? Wo können Sehende einschreiten oder helfen? Was gibt es auf dem Markt? Wie komme ich zu diesen Informationen? Und das möchte ich eben bereitstellen oder diesen Austausch möchte ich auch ermöglichen. Deshalb mache ich diesen Podcast.
Klemens Aber was: sind für dich da Herausforderungen des Podcast, die du jetzt beim Machen erfahren hast? Bernadette: Also zum einen, ich brauche ein Konzept, ich brauche, Themen. Ich brauche Menschen, die auch mit mir ins Gespräch gehen und das kann ich verraten: Ich habe sehr interessante Persönlichkeiten gefunden, Betroffene, Expertinnen und Experten, die mit mir diesen Podcast machen wollen. Und zum anderen ist die Bearbeitung der Aufnahmen eine größere Herausforderung als gedacht. Aber da habe ich die Laura gefunden, die mit mir gemeinsam diese Bearbeitung durchführt. Und zwar mit Kompetenz, mit Freude, mit Motivation und vor allem mit viel Geduld.
Zum Abschluss werde ich jede Folge mit einem Hörblick-Hack beenden. Ich werde meine Gäste fragen nach ihrer besonderen Erfahrung mit diesem Thema. Daher auch an dich die Frage, Klemens Was ist dein Hörblick – Hack?: Klemens: Hallo Mama, ich bin's, der Klemens. Bernadette: Ja, das klingt jetzt sehr interessant, aber das ist im Alltag eine unglaubliche Hilfe. Immer wenn du an mir vorbeigehst oder wenn du kommst, sagst du diesen Satz und er hilft mir, dass ich nicht fragen muss: „Wer bist du?" Das unterschätzen manchmal sehende Menschen. Wenn ich die Haustür aufmache und es steht jemand draußen, der sich nicht angekündigt hat, erkenne ich ihn nicht im ersten Moment. Wenn der aber seinen Namen sagt oder die Frau ihre Namen sagt, dann weiß ich, wer das ist. Und deshalb ist das ein cooler Hörblick-Hack.
Vielen Dank, Clemens, dass du bereit warst, dieses Gespräch zu führen. Liebe Hörerinnen und Hörer, in der nächsten Episode werde ich mit einem jungen Mann sprechen, der mit seiner Augenerkrankung lebt und ein glückliches und erfülltes Leben führt.:
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